




| Polizeiprotokoll vom 06.01.1944 des Gendarmerie Einzelposten Odenthal | |
| Absturzstelle Übersicht Großraum Köln |
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| Absturzstelle Übersicht Höffe
bei Odenthal Bergisches Land |
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| Kartenausschnitt
Absturzstelle Hohenfeld |
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Aufzeichnungen von Herrn Manfred Link Am 06.01.1944 Notiz des Bergungskommandos über einen Flugzeugabsturz bei Odenthal-Hohenfeld (östlich von O.-Voiswinkel) mit der Bitte um "örtliches" Eingreifen, da der Fliegerhorst Köln-Ostheim nicht mehr arbeitet. Der Absturz muss also vorher geschehen sein; es ist auch unklar, ob eigene oder Feindmaschine (?) Zeitzeuge G. Blömer erinnert sich, dass ein Jagdbomber (?) die Flakstellung an der Küchenberger Straße in Voiswinkel im Tiefflug angriff, nur ein junger Soldat sich am Lanzemicher Weg an die Vierlingsflak setzte und ihn mit 2cm-Leuchtspur-Munition traf. Die Maschine zog mit einer Rauchfahne weg. Der Soldat wurde sehr "geehrt", ob es sich bei "seiner" Maschine um die oben im Bericht genannte handelt, ist nicht gesichert, da weitere Angaben und genaue Daten fehlen. Tragisch wäre es, wenn es sich um die deutsche Focke-Wulf des Piloten B. Kunze handelte, nach welcher seine Angehörigen seit Jahren suchen. Er war am 05.01. wegen Treibstoff-Mangel nach einem Einsatz im Westen in Köln-Ostheim zwischengelandet und startete sofort danach wieder in Richtung Dortmund, um zu seiner hochschwangeren Frau im Ruhrgebiet zurück zu kommen! |
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| Ausschnitt aus den Recherchen und Aufzeichnungen von Herrn Manfred Link, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege in Odenthal | |
Die Luftkampflage:
"Ein schwerer Tagesangriff der alliierten Luftstreitkräfte mit dem
Ziel Kiel, wobei mit 245 viermotorigen Bombern der 1. und 2. BD unter Begleitschutz
von 70 P-38 sowie 41 P-51 anflogen wurde. Zu gleicher Zeit flog ein kleinerer
Verband aus 78 B-17 der 3. BD einen Ablenkungsangriff gegen die Kugellager-Werke
in Wuppertal-Elberfeld. Der Abwehreinsatz der JG1 und 11 richtete sich in
der Hauptsache gegen den nach Kiel fliegenden Verband, gegen den dann auch
der Stab mit der II. und III./JG1 sowie dem gesamten JG11 angesetzt wurden.
Gegen 12.30 Uhr trafen Focke Wulfs über dem Bergischen Land auf die
amerikanischen Verbände und konnten in einem länger anhaltenden
Luftkampf, dabei heftig bedrängt durch die Thunderbolts des Begleitschutzes,
gegen 12.45 Uhr eine B-17 abschießen (Lt. Ehlers 1./JG1) und vier Herausschüsse
(Fw. Piffer 2./JG1, Lt. Lück und Uffz. Hübl beide 1./JG1) erzielen.
Bei diesem Luftkampf gab es drei Gefallene: Die 1. Staffel hatte den Tod
von Fw. Alfred Müller zu beklagen; gleich zwei Gefallene gab es bei
der 2./JG1 - Ofhr. Heinz Rutzhofer und Fw. Bernhard Kunze."
Letzteres wurde offenbar unrichtig registriert oder recherchiert.
Die genauen und richtig gestellten Umstände zum
Absturz meines Onkels:
Bernhard Kunze war am 05.01.1944 nach einem bereits über der Eifel erfolgten
Luftkampf gegen die o.a. amerikanischen Verbände wegen Treibstoffmangels
am Spätvormittag auf dem Fliegerhorst Köln-Ostheim zwischengelandet.
Er hatte danach allerdings keinen weiteren Einsatzbefehl sondern startete
sofort nach dem Auftanken von Köln-Ostheim wieder, um in direkter Richtung
zu seinem Stationierungshorst Dortmund-Brackel fliegen zu wollen. Hintergrund
dessen war, dass er mit genehmigtem Urlaub von dort aus dann direkt zu seiner
Familie nach Magdeburg reisen wollte, da seine Frau sich dort unmittelbar
vor der Entbindung des gemeinsamen Sohnes befand. Die Flugleitung von Köln-Ostheim
legte ihm trotz der besonderen persönlichen Situation wegen schlechter
und etwas nebliger Wetterlage sogar noch nahe seinen Flug auf den folgenden
Vormittag zu verlegen, was er allerdings ignorierte, um dann um die Mittagszeit
in direkter Richtung nach Dortmund-Brackel zu starten.


Bernhard Kunze
passierte dann aus Sichtgründen unter
einer niedrigen Wolkendecke fliegend mit seiner aufgetankten FW190-A6 des
2./JG1, ´Schwarze 1´ WN 550884 am 05.01.1944 gegen 12.30 Uhr
unweit der etwas weiter nördlich stattfindender Luftgefechte den Bereich
Odenthal / Höffe (Bergisches Land), um zu seinem Dortmunder Stützpunkt
zu gelangen.
Er wurde dabei als einzeln fliegende Maschine gesehen, die das Gebiet nach
den zuvor überquerenden Bomberverbänden passierte. Und er wurde
dabei offensichtlich irrtümlich von einer deutschen Flak-Stellung bei
Odenthal-Höffe durch eine 2-cm-Vierling 38, bedient von einem 16-Jährigen
Flakhelfer, getroffen. Mehrere aufgefundene Augenzeugen des Flak-Einsatzes
und des anschließenden Absturzes erklärten, dass er nicht in einer
Gruppe sondern einzeln und zugleich sehr tief flog. Demzufolge hat er sich
auch offensichtlich nicht in einem Kampfeinsatz oder einem Luftgefecht befunden,
wenngleich auch sehr kurze Zeit zuvor die amerikanischen Bomberverbände
unter Flak-Beschuss den Bereich um Odenthal überflogen hätten und
im Rahmen des Ablenkungsangriffes ca. 30 km weiter nördlich bei Wuppertal
in ein starkes Gefecht mit der Luftwaffe und Flak verwickelt wurden.
Viele Stationen der deutschen Flak im Bereich Odenthal waren aufgrund der Überflüge
der amerikanischen Bomber jedoch noch in Bereitschaftsstellung. Versehentlich
wurde dann von einer Flak bei Höffe (Flakstellungen Lanzemicher Weg
/ Funkenhof / Küchenberg)
meines Onkels Maschine möglicherweise auch wegen seines Tieffluges als
nachträglicher feindlicher Angriff auf die Flak-Stellung verstanden,
daher beschossen und getroffen (so die persönliche Aussage eines unmittelbaren
Augenzeugen des dortigen Ereignisses und auch Wiedergaben mehrerer anderer
indirekter Zeugen).
Bernhard Kunze hat dann sofort nach dem erfolgten Treffer seinen bisherigen
Kurs von 30 Grd NNO Richtung Dortmund mit einer von dem Augenzeigen beobachteten
weiten rechtsdrehenden Schleife auf volle Gegenrichtung gewechselt. Ein anderer
Augenzeuge berichtete, dass die Maschine mit einer Rauchfahne in großer
Kurve anflog und sich dem späteren Aufprallort näherte, allerdings
wohl an Höhe zu verlieren schien.
Unter starker Rauchfahne und tief
fliegend über bergigem Gelände und dabei stetig sinkend hat Bernhard
wohl noch versucht, die sehr wenig entfernte Rheinebene zwecks einer Notlandung
zu erreichen, ggfls. sogar noch bis zum ca. 15 km entfernten Fliegerhorst
Köln-Ostheim durchzukommen, von wo er zuvor voll aufgetankt startete.
Dies gelang ihm aufgrund stetigen Höhenverlustes letztlich nicht mehr.

Nahezu an einem der letzten Höhenzüge kurz vor der Rheinebene ist es dann zum Absturz gekommen. Bei hoher Geschwindigkeit um Auftrieb zu gewinnen und dennoch durch wohl unvermeidbares Sinken kam es zu einem fast tangentialen Eintauchen seiner Maschine entlang eines mit hohen Nadelbäumen dicht bewachsenem und ca. 40 Grad schrägen Berghanges. Sein Flugzeug wurde beim Eintauchen in die großen Baumlagen quasi "filetiert" (Abriss der gesamten Flügelstrukturen). In einer Schneise von über ca. 300 m Länge verteilten sich die abgerissenen und stark deformierten Flugzeugteile. Insbesondere wurden ganz überwiegend sehr stark und mehrfach gefaltete Alu-Außenhautteile der Flügelstrukturen der Maschine aufgefunden. Der noch einigermaßen intakte Flugzeugrumpf schlug offensichtlich mit noch relativ hoher Geschwindigkeit aufgrund des Versuches den Berghang noch überfliegen zu wollen unter einem positiven Anstellwinkel auf dem Boden auf (1. 'Aufschlagkrater', oval ca. 10x3 m). Dies bewirkte offenbar den Abriss der gesamten Motor-Einheit von der Zelle. Der BMW-801-Motorblock mit Luftschraube (selbst diese war wie heutige Fotos beweisen weitgehend unverformt) schlug zunächst ca. 30 m weiter in SSW-Absturzrichtung auf (2. 'Aufschlagkrater', ca. 5x3 m) und fand sich dann schließlich ca. 200 m entfernt in einem etwa 50 m tiefer liegenden Wassergraben wieder.
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Die
Rumpfzelle und das Cockpit waren nach Augenzeugenbericht herbeigeeilter Retter
nur begrenzt zerstört worden. Bernhard verblieb zunächst
angegurtet aber leblos in seinem Cockpitsitz. Zwischenzeitlich trafen am
Aufprallort ein dort beheimateter Landwirt mit seinem siebenjährigen
Sohn ein. Beide hatten den Absturz unmittelbar beobachtet. Die Rumpfzelle
(geplatzte Batterien, geborstene Panzersitzschale) begann laut der eintreffenden
Augenzeugen leicht zu brennen, weshalb zwei weitere Waldarbeiter, die in
unmittelbarer Nähe des Absturzes zugegen waren, mit dem Landwirt meinen
Onkel aus dem Cockpit bargen.
Nach ihren Angaben war er zu diesem Zeitpunkt
bereits verletzt und leblos. Er wurde in gebührendem Abstand zu den
Trümmern
auf einem nahen Waldweg aufgebahrt. Aus späteren Augenzeugenberichten über
seinen Leichnam ist bekannt, dass er offenbar Verletzungen des hinteren Kopfbereiches
und auch des Unterleibbereiches aufwies. Ob diese Verletzungen Folge des
Beschusses oder des Aufpralles auf den Berghang waren, bleibt offen.
Vieles
spricht aufgrund noch heutiger Spuren vor Ort beim weitgehend
widerspruchsfrei rekonstruierbaren Absturz dafür, dass er in seiner
Maschine sitzend diese noch bedingt kontrolliert haben dürfte, als er
dann den Aufprall erlitt. Ein tief rot/braun/schwärzlich angelaufenes
aber ansonsten unversehrtes Gesicht des vor der Beisetzung von seiner Schwester
gesehenen Leichnams legte auch die Vermutung sehr nahe, dass unmittelbar
durch die
bei hoher
Geschwindigkeit einwirkende Aufprallenergie und das dadurch bedingte abrupte
Eintauchen in die Gurte Gefäßrupturen und in Folge Unterblutungen
erfolgt sind, die sicherlich den dann sofortigen Tod bewirkt haben dürften.
Unabhängig
voneinander kamen der Autor (berufliche Erfahrung in der Rekonstruktion von
Unfällen) und ein Luftfahrthistoriker über die Analysen der Zeugenberichte
und noch heutiger zahlreicher Vorort-Spuren zu einer übereinstimmenden
Analyse des Geschehens.
Gegen 13 Uhr - ca. eine halbe Stunde nach Absturz - wurde telefonisch zunächst
die örtliche Gendarmerie von Odenthal verständigt (Polizeibericht).
Ein Einzelposten sperrte nach seinem Eintreffen die Absturzstelle ab. Wegen
schon sehr schwieriger Kriegsumstände und -folgen am Fliegerhorst Köln-Ostheim
und vorgerücktem und früh dunkel werdenden Nachmittag konnte das
dortige Bergungs- und Räumkommando der
Luftwaffe nicht mehr am gleichen Tag am Absturzort eintreffen.
Mein Onkel
wurde gemäß Berichten Ortsansässiger über Nacht auf
einer Behelfskonstruktion aus Holzstämmen - vorgeblich mindestens einem
Meter über dem Boden - im Wald aufgebahrt und mit einer Plane abgedeckt. Am nächsten Morgen traf das Bergungs- und Räumkommando der Luftwaffe
am Absturzort ein und sicherte großräumig das Areal ab.
Die weit verstreuten Flugzeugtrümmer wurden aus dem unwegsamen Gelände
geborgen. Die ca. 200 m entfernt im Wassergraben befindliche weitgehend noch
unbeschädigte Luftschraube von Bernhards Maschine gelangte sehr zeitnah
in die private Hand eines dortigen Ortsansässigen. Da ein Propellerblatt
nahezu völlig unbeschädigt verblieb, ist recht gesichert anzunehmen,
dass der Motor zumindest zum Zeitpunkt des Aufpralles bereits stillgestanden
sein muss. Für den ebenfalls weit entfernt in einem sumpfigen Wassergraben
liegenden schweren Motorblock stand auch aufgrund der Hanglage kein geeignetes
Bergungsgerät der Luftwaffe zur Verfügung. So verblieb der Motor
dort. Innerhalb weniger Monate verstanden es dann ortsansässige Landwirte
mit Pferd und Karren den Motor aus dem Graben zu bergen und ihn als Schrottware
finanziell zu verwerten.
Bei der Besichtigung der Absturzstelle konnte selbst ich noch zahlreich kleine
Teile der Außenhautverkleidungen, Armierungsteile, Öldruck- und
Kraftstoffleitungen des Motors im Wasserbett des Grabens finden. Die meisten
der Aluteile waren durch beachtliche Gewalteinwirkung auch quer durch mehrlagige
Vernietungen zerrissen. Zugleich fand sich weit ab von der Aufprallstelle
auch ein bereits schon stark korrodiertes aber in seiner Struktur noch weitgehend
intaktes Rohr, das ich zunächst nicht zum Flugzeug gehörig zuordnen
konnte. Das Rohr mit Durchmesser von 210 mm und Länge von ca. 1400 mm
war mit Aufhängungsanschlüssen versehen und ließ sich daher
dann später auch eindeutig als Werfergranaten-Hülse identifizieren.
Es muss offenbar unter einer der Tragflächen der Maschine meines Onkels
angebracht gewesen sein.
Die Werfergranate war zu Kriegsende eine geheime
Anpassungsentwicklung der Luftwaffe aus der bei der Artillerie eingesetzten
210mm Nebelwerfergranate. Sie wurde zu Kriegsende bei der Luftwaffe prototypenhaft
unter den Tragflächen einiger Bf109- und FW190-Jagdflugzeuge montiert.
Mit ihr wurden über eine den heutigen Bord-Raketen ähnliche Technologie
Sprengraketen mitten in die immer überlegener werdenden und dichten
alliierten Bomberverbände geschossen, um damit zeitgleich mehrere Bomber
aus einer relativ sicheren Entfernung kampfunfähig zu beschießen
bzw. abzuschießen. Die Systeme trugen unter einigen Piloten den Namen "Ofenrohr" und
waren aber durchaus nicht geliebt, weil sie aufgrund ihres Gewichtes von
jeweilig 110 kg, davon 41 kg für den Raketensprengsatz, und wegen des
zusätzlichen Treibstoffbedarfes die Flugdynamik und Reichweite der Jagdflugzeuge
sehr nachteilig beeinflussten.
Zumindest auch hieraus ist ableitbar, warum vom Bergungskommando Köln-Ostheim
aus Geheimhaltungsgründen die gesamte Absturzstelle nach Aussagen der
Ortsansässigen recht rigoros - wenn auch nicht erfolgreich - gesichert
und abgesperrt wurde.
Vor der Bergung aller Wrackteile wurde der Leichnam meines Onkels angeblich
nach Köln in ein dortig zeitweilig eingerichtetes Lazarett (das heutige
St. Elisabeth-Krankenhaus in Köln-Hohenlind) verbracht. Einen Nachweis
und eine Todesbescheinigung hierzu konnte ich jedoch leider nicht gewinnen,
da das heutige Krankenhaus mir noch nicht einmal auf meine Schreiben antwortete.
Wenige Tage später wurde mein Onkel Bernhard Kunze wohl von dort nach
Dortmund-Brackel und dann in seine Heimatstadt nach Magdeburg überführt
und dort beigesetzt.
Fw. Bernhard Kunze (23) hinterließ seine Ehefrau und einen drei Tage
nach seinem Tod geborenen Sohn.
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